Kapitalverkehrskontrollen

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Kapitalverkehrskontrollen

Beitragvon lavcadio » Do Mai 22, 2014 11:58 pm

Kaupthing zahlt derzeit (Stand: Mai 2014) aufgrund bestehender Kapitalverkehrskontrollen keine anerkannten, bevorrechtigten Forderungen mehr aus. Siehe auch diesen Diskussionsfaden.

Mittlerweile hat eine bereits bekannte Information auch ihren Weg in die Presse gefunden, wie es Großgläubigern ermöglicht werden soll, ihre Forderungen unter "Umgehung" der Kapitalverkehrskontrollen zu realisieren. Unter dem Titel Island will Hedgefonds zu Schulden-Gesprächen einladen schreibt Fonds.com:
Um die Beziehungen zum Kapitalmarkt wieder zu normalisieren will das Lnd jetzt in Gespräche mit den Gläubigern der bankrotten Banken, hauptsächlich Hedgefonds, eintreten.

...

Seither hat sich Island auf Devisenkontrollen verlassen, um Kapitalflucht zu verhindern und seine Wirtschaft zu schützen.

Die Regierung ist nun zuversichtlich, den Gläubigern eine Lösung unterbreiten zu können, die es ihnen erlauben würde, die Kapitalkontrollen zu umgehen, erklärten die informierten Personen. Der Vorschlag sieht vor, die Gläubiger zu Besitzern von Holdinggesellschaften zu machen, die die Vermögenswerte der bankrotten Banken aufnehmen. Der Großteil dieser Vermögenswerte ist nicht in isländischen Kronen denominiert. Ziel ist eine Einigung, die keinen Run auf die Krone auslöst, wenn Kapital aus dem Land abfließt.

Quelle: http://www.foonds.com/article/31254//fullstory

Wenn das so realisiert wird, dann wird "den Großen" ein Weg zu ihrem Geld geebnet. Dieser Weg steht anderen Gläubigern, auch solchen mit anerkannten Prioritäten Forderungen, welche nicht zeitnah beauftragt und damit noch nicht gezahlt wurden, nicht offen. Und damit entstünde die Situation, dass Gläubiger mit prioritären Ansprüchen kein Geld erhalten, solche mit nachrangigen Ansprüchen hingegen schon.
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Re: Kapitalverkehrskontrollen

Beitragvon emwe » Fr Mai 23, 2014 8:11 am

Quelle hat geschrieben:Quelle: http://www.foonds.com/article/31254//fullstory

lavcadio hat geschrieben:Wenn das so realisiert wird, dann wird "den Großen" ein Weg zu ihrem Geld geebnet. Dieser Weg steht anderen Gläubigern, auch solchen mit anerkannten Prioritäten Forderungen, welche nicht zeitnah beauftragt und damit noch nicht gezahlt wurden, nicht offen. Und damit entstünde die Situation, dass Gläubiger mit prioritären Ansprüchen kein Geld erhalten, solche mit nachrangigen Ansprüchen hingegen schon.


Danke für die Info.
Das heißt wohl im Klartext: Island (es ist ja die Regierung, die dem zustimmt) ist als künftiger "Geldeinsammler" für jeden "Nicht Großen" erledigt - wenn dieser Betrug, als einseitiger Nachteil an die "Kleinen" im Gedächtnis der normalen Kleinanleger haften bleibt.
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Re: Kapitalverkehrskontrollen

Beitragvon lavcadio » Fr Mai 23, 2014 11:54 am

Ich erwarte geradezu ein solches Verhalten. Und da kann sich die isländische Regierung sogar an der deutschen orientieren.

Wir erinnern uns: Es waren offizielle deutsche Stellen, die trotz vehementer Proteste, nicht zuletzt durch uns, es der Kaupthing-Edge Deutschland ermöglichten, ohne ordentlichen Kontenabschluss, ja selbst ohne irgendwelche belastbaren Dokumente, trotz offener, gerichtsbekannter Forderungen / Titel "den Laden" hier dichtzumachen und sich zu verdrücken. Und das ist ganz ohne jeden Zweifel zum einseitigen Nachteil an uns "Kleine", also an uns normale Kleinanleger.
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Re: Kapitalverkehrskontrollen

Beitragvon lavcadio » Mi Mai 28, 2014 11:10 pm

Eine Pressemeldung zur aktuellen Situation der Kapitalverkehrskontrollen findet sich im Medienspiegel vom 28.05.2014
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Kaupthing zahlt wieder?

Beitragvon lavcadio » Di Nov 04, 2014 7:15 pm

Kaupthing zahlt wieder?

Noch im August 2014 waren Zahlungen aufgrund der Kapitalverkehrskontrollen nicht möglich. Auch nicht bei positiv beschiedenen, unwidersprochenen prioritären Ansprüchen nach Art. 112.

Wir wiesen Ende September in unserem Medienspiegel auf eine mögliche positive Entwickliung zur Lockerung / Aufhebung dieser Kontrollen hin.

Ein Mitglied unseres Forums hielt positiv beschiedene, unwiderpsprochene prioritäre Ansprüchen nach Art. 112. ggü. Kaupthing, hatte bislang jedoch noch kein Geld erhalten. Wir haben gemeinsam das Einzige getan, was hier möglich war. Ganz offensichtlich erfolgreich. Denn heute nun erhalten wir eine sehr positive Rückmeldung via Mail:

Hallo Karlheinz, hallo Michael,

Kaupthing hat am 14.Oktober gezahlt. Habe es heute festgestellt. Das ist wirklich eine wahnsinnig positive Überraschung, ich hatte nicht mehr damit gerechnet.

Ich habe mal kurz im Forum und auf der Kaupthing-Seite gelesen, sie scheinen auch nichts dergleichen angekündigt zu haben.
Auch von mir ein herzliches Dankeschön für die Arbeit und Initiative der letzten Jahre, seit das Kaupthing-Drama begann, und für Euer Engagement nochmal im April, die abermalige Blockade der Zahlungen aufzuklären.

Ich denke ich werde einen kleinen Teil davon spenden, voraussichtl an KenFM und/oder an Sea Shepherd Conservation Society.

Viele liebe Grüße


(Hervorhebung durch mich)

Dies kann als Indiz dafür gesehen werden, dass unwidersprochene, positiv beschiedene prioritäre Ansprüche wieder ausgezahlt werden können, sofern dies kein Versehen seitens Kaupthing war.
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Re: Kapitalverkehrskontrollen

Beitragvon lavcadio » Mo Jun 08, 2015 7:09 pm

Mit Blick auf die Lockerung/Aufhebung der Kapitalverkehrskontrollen wurde heute vom isländischen Finanzministerium über den aktuellen Stand berichtet.
In einer ausführlichen Veröffentlichung werden die aktuell diskutierten Eckpunkte genannt, welche den Weg zur Aufhebung bereiten.
Diese Veröffentlichung ist eine "Wasserstandsmeldung" und steht noch nicht für die Aufhebung der Kapitalverkehrskontrollen.


Iceland in Continuing Consultations Regarding - Capital Control Liberalization (Kaupthing)
6/8/15
The Iceland Ministry of Finance today announced that it has continued its consultations with parties affected by the capital controls in Iceland about the proposals the Government is considering for the liberalization of those controls.
Members of the Iceland Task Force on the Liberalization of Capital Controls (established by the Ministry of Finance and the Central Bank of Iceland in 2014) (the “Task Force”) and their advisers (the “Iceland advisers”) have had a series of consultation meetings over the last two months with, among others, representatives of a small number of institutions holding significant claims on the estates of the three large Icelandic banks that failed in 2008, Kaupthing hf. (“Kaupthing”), Glitnir hf. (“Glitnir”) and LBI hf. (“LBI”). The Task Force reports to the Steering Committee on the Liberalization of Capital Controls (the “Steering Committee”), a body composed of the Iceland Minister of Finance, the Governor of the Central Bank of Iceland and representatives of the Prime Minister's office.

At these meetings with estate claimants, the Task Force discussed its preliminary recommendation to the Steering Committee for the manner in which the capital controls -- insofar as they affect the estates of the three large failed banks -- could be liberalized. The Task Force explained that the domestic assets of the estates (mostly denominated in Icelandic krona) posed a threat to Iceland's balance of payments and economic recovery program. The Task Force reported that it was considering recommending that all assets of the three estates could, following a composition arrangement approved by Icelandic courts, be distributed to the claimants in those proceedings following payment by each estate of a one-time Stability Tax. The preliminary recommendation of the Task Force included a list of proposed legal amendments intended to streamline and expedite the composition process for the estates. The Task Force's preliminary analysis suggested that to achieve the goal of neutralizing a threat to the balance of payments, this Stability Tax would be set at a rate of 37% of the total assets of each estate (measured as of end-June 2015), with an automatic exemption of ISK 45bn for each estate, which would bring the effective tax rate down to about 35%. The recommendation under consideration by the Task Force would also permit the estates to use part of their assets to make long term investments in Iceland. Those investments could reduce the tax base of an estate and thus lower the effective rate of the Stability Tax as it applies to an estate. Once the tax had been paid, the estate would be free to deal with and distribute its assets and the stability tax could be paid in any currency of the estate's choosing, including ISK.

Subsequent to these meetings, the Iceland Ministry of Finance has continued to refine the draft legislation for the Stability Tax, including the rate of the tax, exemption requirements and authorized long term investments. The Ministry of Finance expects the legislation to be introduced in Parliament today.

The Steering Committee has separately considered a framework (the “Framework”) developed by the Task Force for analyzing and addressing the balance of payment implications of domestic assets held in the estates of the three large failed banks.

The Task Force has also received suggestions from claimants attending these meetings for a voluntary arrangement designed to neutralize the balance of payments risks posed by the domestic assets in the estates. These proposals contemplate addressing these risks through a combination of the payment of a voluntary stability contribution together with other measures designed to attenuate the release of krona that have been trapped behind the capital controls and augment the foreign currency reserves of the Central Bank of Iceland.

Kaupthing
Specifically with regard to Kaupthing, there were consultations between (i) a group of restricted holders of Kaupthing claims (the “Kaupthing Claimants”) and their advisers and (ii) members of the Task Force and the Iceland advisers.
On 7 June 2015, in light of those consultations, a proposal was submitted to the Minister of Finance (in his capacity as chairman of the Steering Committee) on behalf of the Kaupthing Claimants based on their discussions with the Task Force and the Iceland advisers (the “Kaupthing Claimants' Proposal”) on the following terms:

A stability contribution (the “Stability Contribution”) would be made by the Kaupthing estate to the Icelandic authorities consisting of:
the issuance and delivery of an ISK-denominated secured promissory note in the nominal amount of ISK 84 bn to be reduced annually by the actual ISK expenses (exclusive of incentive schemes) of Kaupthing for 2015, 2016 and 2017 paid to domestic Icelandic parties (including any de minimis payments paid in ISK to domestic claimants in connection with the composition) with the aggregate overall amount of all such reductions to be capped at ISK 5 bn (the “Secured Note”),
an assignment of the estate's equity, rights and claims against certain domestic Icelandic counterparties (including other Icelandic estates) in a nominal amount of approximately ISK 114.8bn (approximately ISK 14.4bn book value) (the “Assigned Rights”); and
an assignment of any amounts in ISK recovered by Kaupthing in respect of disputed claims against domestic parties and any claims against domestic parties that would otherwise have constituted Assigned Rights but which were not capable of outright assignment (this amount to be paid net of any ISK amounts paid by Kaupthing to domestic parties in connection with claims against Kaupthing).
The Secured Note would have the following terms:
payable in two equal installments on the second and third anniversaries of the issuance date;
5.5% interest rate; and
secured by a pledge over Euro Medium Term Notes (“EMTN”) issued by Arion hf. (“Arion”) to Kaupthing (the value of the pledge will be no less than 115% of the outstanding principal amount of the Secured Note).
The estate's FX exposure to Arion (approximately ISK 43.8bn) would be termed out in the form of bonds issued under Arion's EMTN program on market terms with a minimum term of 7 years.
The estate would purchase at par the long-term FX financing provided by the Central Bank of Iceland (the “CBI”) to Arion (ISK 55.1bn) and would offer to term the financing out in the form of bonds issued under Arion's EMTN program on market terms with a minimum term of seven years.
The estate will split any realized economic value of Kaupthing's 87% stake in Arion upon a sale or other disposition of Arion (and/or Kaupskil, Arion's parent) in excess of ISK 100 bn, with the CBI or such other party as the CBI designates, on a total returns basis, as follows:
ISK 100 bn -ISK 140.00 bn: 33 1/3 / 66 2/3;
ISK 140.01 bn- ISK 160.00 bn: 50 / 50; and
more than ISK 160 bn: 75 / 25,
in each instance with the first factor payable to the CBI, or its designate, and the second
factor payable to Kaupthing.

Distributions to claimants would flow freely once the Secured Note has been issued, the related security has been posted, the Assigned Rights have been transferred, and formal exemption granted from CBI.
The Kaupthing Claimants would provide releases for parties including the CBI and Iceland.
The Kaupthing Proposal contains a mechanism that would adjust the proposed stability contribution of the Kaupthing estate so that it is no less favourable to the claimants of the Kaupthing estate than the terms of any comparable exemption granted to the estate of Glitnir (determined by reference to the size of Kaupthing's stability contribution as a percentage of the estate's total assets in comparison with the equivalent percentage for Glitnir).
The Task Force has confirmed that the Kaupthing Claimants' Proposal is consistent with the Framework endorsed by the Steering Committee and recommends the issuance of an exemption based on the Kaupthing Claimants' Proposal. If granted an exemption from the capital controls by CBI after consulting with the Minister of Finance on the basis of the Kaupthing Claimants' Proposal, the remaining assets of the Kaupthing estate shall no longer be subject to capital controls and shall be freely available for distribution to claimants in the estate in accordance with the procedures established by Icelandic law. The assets of the estate shall not thereafter be subject to capital controls in Iceland and neither the estate nor its claimants will be subject to any form of Stability Tax or similar tax or charge.


The Task Force's consultations with parties affected by the proposed liberalization of capital controls are ongoing.



Das englische Original findet sich hier:
http://www.ministryoffinance.is/news/nr/19597
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Re: Kapitalverkehrskontrollen

Beitragvon lavcadio » Mi Jun 10, 2015 9:08 am

Die Nachrichtenagentur Reuters schreibt dass ausländische Gläubiger eine Steuer von 39 Prozent zahlen, wenn sie ihr Geld außer Landes bringen wollen. Nach Schätzungen handelt es sich um ca.3,4 Milliarden Euro, einem Viertel der jährlichen Wirtschaftsleistung. Um einen großangelegten Vermögensabfluss zu verhindern, durch den die Währung drastisch abwerten könnte, hat sich die Regierung zur Einführung der Steuer entschlossen.

Quelle und mehr: http://de.reuters.com/article/economics ... KP20150608
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Re: Kapitalverkehrskontrollen

Beitragvon k.o.pthing » Di Jun 16, 2015 4:27 pm

Wir versuchen derzeit zu klären, ob die Steuer auf alle Forderungen erhoben werden soll oder nur auf diejenigen die in ISK lauten. Der -inhaltliche- Grund für die Kapitalverkehrskontrollen ist ja die Sorge, dass unkontrolliert hohe ISK-Summen an den Währungsmärkten in "harte" Devisen getauscht würden und hierdurch ein Währungsverfall stattfinden könnte.

Den letzten Absatz kann man in jedem Fall so verstehen, dass durch von maßgeblichen Kaupthing-Gläubigern zusammen mit Mitgliedern des zuständigen gemeinsamen Ausschusses des Finanzministeriums, der Finanzbehörden und der Notenbank entwickelten Sicherheitsmechanismen im Gegensatz zu anderen Kaupthing-Gläubiger nicht von der Steuer betroffen wären.

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